Ratgeber

Wertanrechnung bei der Entrümpelung: Was ist Ihr Hausrat wirklich wert?

Von Alexander Baitinger, Inhaber von B&B Service · Lesezeit ca. 6 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

Bei einer seriösen Entrümpelung wird verwertbarer Hausrat geschätzt und vom Preis abgezogen, als transparenter Posten im schriftlichen Angebot. Gefragt sind heute vor allem Massivholz- und Designmöbel, Werkzeug, Fahrräder, funktionierende neuere Elektrogeräte, Schallplatten und Schmuck. Wenig bis nichts bringen Schrankwände, Polstermöbel, Massengeschirr und die meisten Bücher. Eine komplett kostenlose Entrümpelung durch Verwertung ist selten und als pauschales Versprechen fast immer ein Lockangebot.

Es ist der Moment, der bei fast jeder Besichtigung kommt: „Das ist aber noch gut, das ist doch was wert.“ Manchmal stimmt es, und dann sinkt der Preis spürbar. Oft stimmt es leider nicht, und dann ist Ehrlichkeit fairer als Vertrösten. Dieser Artikel ist unser Erwartungsmanagement in Schriftform: was der Gebrauchtmarkt heute wirklich zahlt, warum das so ist, und wie eine saubere Wertanrechnung aussieht.

Warum der Markt härter ist, als viele denken

Die unbequeme Wahrheit zuerst: Es werden gerade sehr viele Haushalte aufgelöst und sehr wenige komplett neu eingerichtet. Eine ganze Generation gibt große Wohnungen und Häuser auf, und deren Kinder haben ihre Einrichtung längst. Das Angebot an gebrauchten Möbeln übersteigt die Nachfrage um ein Vielfaches.

Dazu kommt die Logistik: Ein Schrank für 50 Euro, der mit zwei Mann aus dem vierten Stock getragen und quer durch die Stadt gefahren werden muss, ist wirtschaftlich ein Minusgeschäft. Deshalb zahlen Ankäufer nur für Dinge, die sich sicher und mit Marge weiterverkaufen lassen. Das ist keine Böswilligkeit, sondern Rechnen.

Was heute tatsächlich Geld bringt

  • Massivholzmöbel mit klarem Stil: vor allem Teak und Mid-Century-Design aus den 50ern bis 70ern, aber auch gute Vollholzstücke ohne Macken
  • Designklassiker und Markenmöbel: Originale bekannter Hersteller, auch mit Gebrauchsspuren
  • Werkzeug und Maschinen: Handwerkzeug, Elektrowerkzeug, Gartengeräte, fast immer gefragt
  • Fahrräder: auch reparaturbedürftige, solange der Rahmen taugt
  • Funktionierende, jüngere Elektrogeräte: Waschmaschine oder Kühlschrank unter etwa acht Jahren, geprüft und sauber
  • Schallplatten, Retro-Technik, alte Konsolen: je nach Zustand und Titeln überraschend gut
  • Schmuck, Münzen, Uhren: oft schon über den Materialwert interessant
  • Gut erhaltene Antiquitäten: echte, alte Stücke, wobei „alt“ allein nicht reicht, dazu gleich mehr
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Sortierter Hausrat
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Was fast nie etwas bringt, auch wenn es wertvoll wirkt

Hier enttäuschen wir bei Besichtigungen am häufigsten, deshalb im Klartext:

  • Schrankwände und Wohnwände, auch Eiche rustikal in Top-Zustand: kaum verschenkbar, weil zu groß, zu dunkel, zu viele davon im Umlauf
  • Polstermöbel: Sofas und Sessel scheitern an Hygiene-Bedenken und Transportkosten, fast unabhängig vom Zustand
  • Geschirr und „gutes Porzellan“: Die Kaffeeservices und Sammelteller der 60er bis 80er sind Massenware. Selbst bekannte Manufakturnamen garantieren keinen Wert, entscheidend sind Serie und Nachfrage, und die ist bei Serviceporzellan eingebrochen
  • Bücher: bis auf Sonderfälle wie Erstausgaben oder gesuchte Fachliteratur leider Altpapier mit Erinnerungswert
  • Röhrenfernseher, alte Weißware, ausgediente Computer: Entsorgungsfall, kein Verkaufsfall
  • Kleidung in Masse: einzelne Marken- oder Vintage-Stücke ja, Kleiderschränke voll Alltagsware nein

Wichtig: Nichts davon heißt, dass die Sachen in den Container müssen. Vieles geben wir an Sozialkaufhäuser weiter, es senkt nur den Preis nicht.

Sie wollen wissen, was in Ihrem Fall drin ist?

Bei der kostenlosen Besichtigung bewerten wir ehrlich, was sich verwerten lässt, und Sie sehen die Anrechnung schwarz auf weiß im Angebot.

So erkennen Sie eine saubere Wertanrechnung

Eine seriöse Anrechnung hat drei Merkmale. Erstens: Sie steht schriftlich im Angebot, als eigener Posten, nicht als mündliches „das verrechnen wir dann“. Zweitens: Sie bezieht sich auf konkrete Stücke, die bei der Besichtigung benannt wurden. Drittens: Der Festpreis danach gilt, auch wenn sich ein Stück später schlechter verkauft als gedacht. Das Verwertungsrisiko liegt bei der Firma, nicht bei Ihnen.

Vorsicht

Das Gegenmodell kennen Sie vielleicht aus Anzeigen: „Entrümpelung kostenlos gegen Verwertung“. Rechnen Sie kurz mit: Ein Tag Arbeit für zwei Leute, Transporter, Entsorgungsgebühren, das sind reale Kosten im hohen dreistelligen Bereich. Die müsste Ihr Hausrat erst einmal einspielen. In den seltenen Fällen, wo das wirklich klappt, sagen wir es Ihnen auch. In allen anderen ist das Versprechen der Köder, und bezahlt wird später doch, nachdem die guten Stücke schon auf dem Transporter sind.

Der ehrliche Tipp: Verkaufen Sie das Beste vorher selbst

Wenn Sie Zeit und Nerven haben, holt ein Privatverkauf über Kleinanzeigen für Einzelstücke fast immer mehr heraus als jede Anrechnung, denn Sie haben keine Marge und keine Logistikkosten einzupreisen. Fotografieren Sie die fünf besten Stücke, stellen Sie sie online, und was nach zwei Wochen weg ist, ist gut verkauft.

Der Preis dafür: Terminabsprachen, Fremde in der Wohnung und Käufer, die nicht auftauchen. Bei einer ganzen Wohnung und laufender Kündigungsfrist frisst das schnell mehr Zeit, als es bringt. Viele unserer Kunden machen es deshalb gemischt: zwei, drei Herzstücke selbst verkaufen, den Rest mit Anrechnung an uns.

Häufige Fragen zur Wertanrechnung

Wer legt fest, was meine Sachen wert sind?

Bei der Besichtigung schätzen wir auf Basis dessen, was unsere Abnehmer aktuell real zahlen. Sie müssen dem nicht folgen: Holen Sie ein zweites Angebot ein oder prüfen Sie Preise selbst über Kleinanzeigen, die Vergleichbarkeit ist der beste Schutz.

Kann ich einzelne Stücke von der Anrechnung ausnehmen und behalten?

Jederzeit, bis zum Räumungstag. Sagen Sie nur Bescheid, dann wird der Preis entsprechend angepasst.

Lohnt sich ein Gutachter für Antiquitäten oder Kunst?

Bei begründetem Verdacht auf echte Werte, etwa Gemälden, altem Schmuck oder Sammlungen mit Geschichte: ja, vor der Räumung. Für normalen Hausrat wäre das Gutachten teurer als der Erlös.

Was passiert mit Sachen, die keinen Verkaufswert haben, aber noch gut sind?

Die gehen auf Wunsch an Sozialkaufhäuser statt in den Container. Ihren Preis senkt das nicht, aber die Sachen bekommen ein zweites Leben, und entsorgt wird weniger.

Fazit

Rechnen Sie nüchtern: Massivholz, Werkzeug, Technik und Schmuck bringen etwas, Schrankwände, Polster und Serviceporzellan fast nie. Bestehen Sie auf einer schriftlichen Anrechnung konkreter Stücke im Festpreis-Angebot, und misstrauen Sie jedem, der pauschal „kostenlos gegen Verwertung“ verspricht. Für Herzstücke mit Zeit im Rücken: erst selbst verkaufen, dann räumen lassen.

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Alexander

Alexander Baitinger

Inhaber von B&B Service. Alexander räumt mit seinem Team Wohnungen, Keller und Häuser in Berlin und Umgebung und macht jede Besichtigung selbst. Was hier steht, kommt aus der Praxis, nicht aus dem Lehrbuch.

Fragen? 0176 15639698

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